uneben

D E R _ Z E T T E L
Die Hörerinnen sind über Arno Schmidt zu belehren:

Zum Verständnis von Schmidt benötigen wir je zu einem Drittel: Agnostizimus/Atheismus -- Erotik (als Mittel) -- Sprachzerstörung.

Die ersten beiden können wir nachweislich verwerfen, die letzte funktioniert zu 75%, bleibt:

1 - 0,33 -0,33 - 3/4x0,33= 0,08

Liebe Hörerin, wenn sie von Schmidt auf Anhieb 10 Prozent seiner Ländlichen Erzählungen, oder einer 40/1 Plakatseite (= 12 Seiten) Zettelstraum (à 111 Plakate, BA: à 128 [?]) verstehen, sind sie nicht zu belehren, sondern naturgegeben literaturverständig.


"Uneben" ist von Kleist, aus dem zerbrochenen Krug. Im Sinn "kein unebner Kerl" bei Schmidt. Bei ihm mehrfach ohne Nennung der Herkunft. Wie die Liste vielleicht schon vor 20 Jahren feststellte.

Ich stehe fotografisch mit Gerichtsrat/Untersuchungsrichter Walther am Fenster und sehe Schmidt auf dem Feld hoppeln:

"Fort! Tut mir den Gefallen, holt ihn wieder!"

Alle fünfzehnjährigen Mädchen ähneln Eve und man kann für Kleist keine begeistern. Schmidt hat es früher oder später gelesen und verschwiegen. Ich habe es wiedergelesen.

Schmidt wiederholt diesen wenn nicht Kommissjargon, so doch diese (aristokratische) Spracheigenheit, ja -unart Kleists, die nur einmal vorkommt, immer wieder. Er will auf die Demontage des Geniekults hinweisen.

Richter Adam ist klassisch. Ich finde seine Erzählhaltung interessant, sein Monologisieren eines Ertappten. Das entspricht in vielem den ICH-Erzählern Schmidts. Die jünger als Adam wirken.

Wie ich unten belege kommt dazu eine Ablenkungstaktik.

(Kleists Humanismus prangt auf den Scherben des zerbrochenen Kruges.)

Und die Figur des Richters Adam gibt die Vorlage für Schmidts Icherzähler, wie ich ihn aus dem Fenster davonlaufen sehe.: Verlogen (und korrupt) bis ins Mark, von einer weiblichen Wahrheitsauffassung, bizarr schiefsymmetrisch, Verdrängung unerlaubter Entjungferung von Mädchen, ganzen Generationen oder der bedrückenden Wissenschaft und der Logarithmen, sagt Adam mehrmals, gibt er vorweg zu, dass er ein schlimmer schäbiger Kerl ist,

Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt
Den leid'gen Stein zum Anstoß in sich selbst.
....
Doch wenn Ihrs herausbekommt, bin ich ein Schuft.
...

keiner hört hin, und Adam zeigt in den Details eine unwiderlegbare logische Konsequenz (der speziellen Information). Er genoß Autorität aus seltsamer Menschlichkeit. Und mit seiner sich überschlagenden Verzweiflung ist er sympathisch. (Herrn J.....m..... kollokieren lassen.)
Richter Adam ist in der Frageposition, vorverurteilt andere für sein Vergehen, lässt unerklärte Verzweiflung für sich arbeiten.

In dem Sinne: Meine Korruption nützt vielleicht jemand anderen, da will ich den Vergehen der anderen nicht zu streng nachurteilen, sie könnten mir nützen. Lassen wir erstmal sehen, was herauskommt.

Das Stück entstand in Konkurrenz mit einem Wielandsohn.

Schmidt ist zynischer Demagoge der happy few, als solcher mit Humor. (Wo bleibb da Hummoaaa?)

Oder er äfft den ihm bekannten Demagogen, der Raabe las, nach.

Von der Liste ist ja keiner gemeint. Wirkennenihnwohlunserenschmidt.

Telegrafenstangen Individuen, wie? (Wie die Polizisten In Hamburg beim G 1 2 3 Gipfel.)

Ich lese gerade, das überspitzte: Warum? Über die Obszönität des Fragens. Von Bodenheimer. 1984.

Es geht darum, dass jede ernsthafte psychoanalytische Situation mit dem asymmetrischen Fragen endet. Es ist kein psychologisches Buch,

In diesem Buch das Fragespiel der Sirene mit dem Fischer bei Goethe, als Ausdruck seiner Kastrationsängste.
Und als Gegenstück zu Fouqués Undine ohne Kleisterwähnung bei Schmidt
Später dann faustisch mit Fragekaskade.

Im Gegensatz zu Sloterdeijks zynisch kritischer Einstellung ein Buch, persönlich, psychologisch und im Einzelnen mit konkretem Sachwissen.

Hinweise auf Wissenschaft, Logarithmen ohne wirkliche Antworten sind obszön. (Danke für den Tabellenpost.)

Fermatscher Satz: Wohl nicht nachgerechent, wie?

Die Humorlosigkeit der Person Schmidt betrifft seine Erzählungen nicht.

Eine Ablenkung könnte die sexuelle Obszönität bei Schmidt sein. Entweder überbietet sich die Nachkriegsliteratur darin, oder langweilt durch Abstinenz. (Um Anklagen zuvorzukommen vielleicht.)
Individuum oder 1 Menschen=Dreck, das ist hier die Frage.

Und "Wiesengrund" skandiert mann dichtend nicht daktylisch sondern anapästisch. (Quelle: Benary)

Zu dem Code: Schmidt will mich Chinesisch lehren. Zu ""ohne sich um zu sehen" schreibt er allerdings nicht die Noten oder Tonhöhen hin. (Weil er es nicht kann.)

Und wenn mich Herr Strick auffordert, grüße ich schön

  1. Wulff

Agnostizimus/Atheismus -- Erotik (als Mittel) -- Sprachzerstörung.

Angelegt Mittwoch 27 Juni 2018