scan005.jpg= Stockentenküken, war in einem Kinderbuch falsch hühnerkükengelb gemalt Diese Galerie ist eine Anleitung zum Malen. Hagemeister sagte, er habe sich seelisch ausdrücken wollen, den Stimmungston in einen Licht- und einem Schattenton zerlegt. Zu jedem Motiv habe ich eine Farbe als Licht- eine andere als Schattenfarbe ausgewählt. Ich weiß im Nachhinein nicht mehr welche das im Einzelnen waren. Bei den Herbstlaubbildern war der Lichtton den auf dem Boden liegenden Blättern entnommen. Ich fuhr bei einer Radtour die Havel entlang, durch einen entlaubten Buchenwald, der Boden war mit gelborangen hellen Blättern bedeckt. Der Himmel war mit blau dunkler als der Boden. Weiter sagt Hagemeister und das versuche ich in meinem letzten Seebild, er streiche Licht- und Schattenfarbe über die ganze Leinwand und setzte das andere hinzu. Er arbeitete mit Spachtel und Farbbrocken. Im Bröhanmuseum konnten wir uns überzeugen, nachdem wir zwei Farben mit Spachtel über die ganze Leinwand gestrichen hatten, dass Hagemeisters Bild einen unterliegenden dünnen Farbauftrag hat, er wird beide Farben schnell mit dem Spachtel über das ganze Bild gestrichen haben. Darüber liegen dicke Klumpen Ölfarbe, das sind die nachher eingesetzten Details. Die Havellandschaft hat Ähnlichkeit mir der von Monet dokumentierten [1] Seinelandschaft. Klare, geradezu logisch kalte Farben. Hagemeisters Technik hat er in der kleinen Selbstbiografie niedergeschrieben. Erste Auszüge las ich im Katalog der Hagemeister Retrospektive des Bröhanmuseums. Das als Titelbild gewählte knallige poppige Teichbild halte ich für beeindruckend und nicht für typisch für Hagemeister. Das Museum der havelländischen Malerkolonie hat einen Katalog zur Ausstellung Sigward Sprotte im Dialog mit Karl Hagemeister. Seine Auseinandersetzung mit Hagemeister war kontinuierlich. In diesem Katalog ist Hagemeisters ganze kleine Selbstbiografie abgedruckt. Dort ist er ausführlicher zu seiner Technik. Zum Beispiel beschreibt er, wie er Licht und Schattenton vom Himmel abliest. Ich lese das aus dem kleineren Motivabschnitt, den ich wähle ab. Das schränkt nicht ein. Zu viel Wissen hindert: Reduktion. In beiden Katalogen ist genug Material für jeden Interessierten. Ich füge Interessantes, was ich herausbekommen habe, hier an. Hagemeister lehnte die Zerlegung der Farben ab. Monet lehrte nicht, lernte von Seurat, da ich in seinen Bildern nach Kenntnis der Seuratfarben solche wiederfinde. Ich weiß aus der Physik, daß Diskretes in ein Kontinuum verschmiert. Seurats viele Farben vermischen sich in einen Stimmungston. [1] Ich glaube Monet nahm seine Farben von Bazille, nach seinem Tod 1870 malte er nicht mehr so, und seit Seurat aus dem Poinitlillismus. Man vergleiche sie! scan006a.jpg= Dammhirsch, nicht erlegt. Hagemeister zerlegt in zwei Farben. Monet malte nicht mehr mit Bazilles Farben, nachdem der gestorben war, gefallen im deutsch französischen Krieg, Hagemeister war nicht dabei. Physikalisch ist richtig, dass weißes Licht sich in alle Farben zerlegen lässt. Göthe hatte eine andere Auffassung und wollte mit seiner Farbenlehre Malern etwas praktisch an die Hand geben. Das ist erst Hagemeister gelungen. Im Netz gibt es Beschäftigung mit den Paradoxa, die Göthe zu seiner Auffassung führten. Ich schreibe ausführlich, weil die Verteidigung der göthschen Farbenlehre mit Hagemeister nicht folgt, obwohl sie in ihrem Rahmen sinnvoll und (möglich) wäre. Ich male mit Ölkreiden, die sich beim Übermalen nicht überdecken sondern vermischen. Das Kind teils mit Wasserfarben. Ich streiche nicht über die ganze Leinwand, sondern nur die großen Teile voll, die Licht- und Schattenfarbe tragen. Zu Augen folgendes: Cranach der Ältere konnte sie malen, sie hängen im Grunewaldschloß. Die Reflexionen auf den Augen sind egal. Der Innenrand der Iris bekommt Licht ab und ist heller, je nachdem welche zwei Teile man betont, ich nehme bei den Kindern die rechte und linke Innenseite, ändert sich die Blickrichtung. In computeranimierten Filmen sieht man, daß sie es nicht wissen. Außer bei Wall-E. Ich fordere auf verschiedene Stellen und die daraus resultierende Blickrichtung auszuprobieren. Oberer und unterer Rand der Iris ist bedeckt, vor allem der obere. Der Glaskörper des Auges ist dafür zuständig, dass das Licht dort seltsame Wege nehmen kann und die Iris nicht nur beschienen wird. Bei Kindern die Augen riesig und weit auseinander malen. Für Anfänger empfehle ich Kritzelbilder zu zeichnen, und sich den Farbkreis anzueignen: Primär-, Sekundär- (Tertiär-) und Komplementärfarben. Ich habe mehr mit Komplementärfarben gearbeitet als Hagemeister. Ich vertrete bei meinen blauen Sonnen einen subjektivistischen Standpunkt: Ich weiß, daß das Blau im Organ Auge entsteht und nicht wirklich da ist, male es, weil es mir freisteht, denn die Sonne brennt. scan017.jpg= See, vereist. Göthes Farbenlehre begeisterte Maler. Über Philipp Otto Runge und Friedrich Preller d. Ä. kam sie auf Hagemeister. Soweit ich sie aus zweiter Hand verstehe, geht sie von der Einheit des Weißen Lichts aus und die Farben entstehen durch Abstufungen von Hell zu Dunkel. (Daher Hagemeisters Terminologie. Göthe leugnete die Zerlegung des weissen Lichts in Spektralfarben. Unter anderem gibt es einen Treppenversuch, eine kleine Treppe steht in verschieden blau und gelb gefärbten Wasser. Beide Treppen nehmen mit zunehmender Tiefe der Stufen dieselbe Farbe rot an. Das war zum Beispiel eines von Göthes Gegenbeispielen. ) Reines Rot ohne gelb oder blau steht bei Goethes an der Spitze seiner Farbpyramide. Homogenität Newton Licht ist zusammengesetzt (heterogen). Goethe Licht ist eine Einheit (homogen). Spektrum Newton Weißes Licht ist aus farbigen Lichtern zusammengesetzt. Goethe Weißes Licht ist das Primäre. Das Helle kann nicht aus Dunkelheit zusammengesetzt sein. Wechselwirkung mit Materie Newton Das Licht wird durch Refraktion (Brechung), Inflexion (Beugung) und Reflexion (Spiegelung) dekomponiert. Goethe Refraktion, Inflexion und Reflexion können ohne Farberscheinungen existieren. Analyse Newton [Weißes Licht] wird in sieben [reine], vielmehr in unzählige Farben dekomponiert. Goethe Es gibt nur zwei reine Farben, Blau und Gelb. Das übrige sind Stufen dieser Farben oder unrein. Synthese Newton Wie es [das weiße Licht] dekomponiert worden, kann es wieder zusammengesetzt werden. Goethe Weder kann aus apparenten [sichtbaren] Farben farbloses Licht, noch kann aus farblosen Pigmenten ein weißes zusammengesetzt werden. Obwohl Goethe aufgrund von Versuchen mit Prismen ebenfalls einen Farbkreis aufstellte, bekämpfte er Newtons Theorie, das Spektrum beim Prisma entstehe durch die Teilung von weißem Licht. Er glaubte, dass die Farben im menschlichen Auge entstünden. Aus Gelb und Blau bildeten sich durch Hell und Dunkel alle anderen Farben. Nicht angespielt wird auf die Zerlegung des Lichts der Pointillisten oder Impressionisten, die es zu der Zeit nicht gab. Es gab keine physikalisch befriedigende Erklärung, da sie alle mit heute unhaltbaren Hypothesen arbeiteten. Für die Maler spielte der Einheitscharakter eine Rolle, der einheitliche Ursprung der Farberscheinung, bei Hagemeister drückt sich das in seinen Kosmosgedanken aus. Der Maler hat mit zweierlei zu tun, der additiven Farbsynthese seines Motives, dass sich ihm über das Sonnenlicht vermittelt. Andererseits mischt er die Farben subtraktiv. Es hilft ihm nichts dass die Sternspektren eindeutig sind, er malt nicht mit Lichtfarben.